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Die Wirkung impliziter und expliziter Vorurteile auf das Verhalten

Die Studie ist zwar nicht neu aber da sie gerade vor mir liegt: Dovidio, Kawakami und Gaertner haben 2002 experimentell herausgefunden, dass implizite (unbewusste) und explizite (bewusste) Vorurteile von Weißen deren Verhalten in sozialen Interaktionen mit Schwarzen beeinflussen. Soweit nichts neues, wird mancher sich denken. Aber in der Studie wurde festgestellt, dass die bewussten Einstellungen das verbale Verhalten der Versuchspersonen beeinflussten, während die unbewussten Einstellungen das nonverbale Verhalten steuerten. Zusätzlich konnte ein signifikanter Einfluss von expliziten Einstellungen und verbalem Verhalten auf die Wahrnehmung der eigenen Freundlichkeit der Versuchspersonen festgestellt werden, während die impliziten Einstellungen und das nonverbale Handeln der Versuchspersonen die Fremdwahrnehmung ihrer Freundlichkeit signifikant beeinflussten

Begründet ist dies nach Dovidio et al. durch die, den Individuen zur Verfügung stehenden unterschiedlichen Hinweisreize und Perspektiven. So seien sich die Versuchspersonen ihrer impliziten Vorurteile nicht bewusst gewesen und haben so keine oder nur eine geringe Kontrolle auf das aus ihnen resultierende nonverbale Handeln ausüben können. Ihr Interaktionspartner nahm jedoch sowohl das verbale als auch das nonverbale Handeln der Versuchsperson wahr und kam hierdurch zu einer signifikant anderen Beurteilung der Freundlichkeit der Versuchsperson als diese selbst. Die Versuchsperson hingegen richtete ihr verbales Verhalten nach ihren expliziten Vorurteilen aus und beurteilte später nicht nur die eigene Freundlichkeit danach, sondern auch ihre Wirkung auf ihren Interaktionspartner. Da Menschen sich bei der Beurteilung fremden Verhaltens generell - zumal bei divergierendem verbalen und nonverbalen Handeln - stark auf das nonverbale Verhalten ihres Gegenüber beziehen könne es durchaus vorkommen, dass durch unbewusste Vorurteile hervorgerufenes Handeln als intentional gedeutet wird und es so zu Missverständnissen kommt.

Dovidio, J.F., Kawakami, K. & Gaertner, S.L. (2002). Implicit and explicit prejudice and interracial interaction. Journal of Personality and Social Psychology, 82, 62-68.

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